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Über die Vorstellung anderer, wie Du Deinen Hund zu erziehen hast!

Über die Vorstellung anderer, wie Du Deinen Hund zu erziehen hast!

Wenn man als Hundehalterin mit seinem Hund durch die Wiesen und Wälder streift, kommt man früher oder später in die Situation, dass man ungefragt Tipps von anderen Hundehalter*innen bekommt.

Bei Raya sind es regelmässig Empfehlungen, wie «Die muss lernen, mit anderen Hunden auszukommen.« oder «Es ist schlecht, wenn Dein Hund keine Sozialkontakte hat.«
 
Von anderen Frauchen weiss ich, dass sie Sprüche wie «Das ist aber eine Rasse, die gut ausgelastet werden muss. Da reichen 2 Stunden spazieren gehen nicht aus!« zu «Sie dürfen ihren Hund niemals trösten, wenn er Angst hat!« zu hören bekommen.

Zurück bleibt bei einem selbst das ungute Gefühl der Selbstzweifel: Hat Der- oder Diejenige recht? Ist es für meinen Hund tatsächlich schlecht, wenn ich ihm Schutz biete, obwohl er sich vor etwas fürchtet?

Ich möchte auf diese Aussage gar nicht fachlich eingehen. Mir geht es vielmehr darum, diesen vermeintlichen Tipps den Wind aus den Segeln zunehmen. Tipps, die eigentlich keine Hilfstellungen, sondern Verallgemeinerungen sind. Ratschläge, die nur schwarz und weiss, also richtig oder falsch kennen. Ohne dabei auf die beiden Individuuen, also Dich und Deinen Hund, einzugehen.
 
 

Tipps sind gleich Tipps – oder doch nicht?

 
Für mich persönlich gibt es einen riesigen Unterschied zwischen wirklichen Tipps, die mich im Zusammenleben mit dem Hund (oder auch mich alleine) weiterbringen. Oder solchen, die ein ungutes Gefühl in der Bauchgegend hinterlassen. Die, die dieses schlechte Gefühl auslösen, sind solche, die nicht zu meinem Hund und mir passen. Im blödesten Falle setzt man sie trotzdem um, weil man das eben so macht. Ich bin mir sicher – Du kennst die Situation.
 
 

Wie entlarvst Du nun also wenig hilfreiche Tipps?

 
Verallgemeinernde Tipps kannst Du recht schnell an ein paar Merkmalen ausfindig machen. Häufig kommen Worte vor, wie «nie«, «immer«, «jeder«, «alle«, «nichts«, «keiner« oder auch «falsch«, «richtig«, «gut« und «schlecht«. Es sind also häufig Extreme: «Du darfst Deinem Hund NICHTS durchgehen lassen«, «JEDER Hund muss lernen, auf seinem Körbchen zu warten, bis das Essen freigegeben wird.«.

Das gefährliche an solchen Tipps ist, dass nicht mehr die Situation und Du und Dein Hund im Fokus stehen, sondern eine «Regel«. Die hat aber nichts mit euch zu tun. Was für den einen Hund in Ordnung ist, kann für einen anderen verstörend oder furchteinflössend sein. Und so passiert es, dass man krampfhaft an einem Tipp festhält – man möchte es ja richtig machen – ohne zu realisieren, dass man weder dem eigenen Hund noch sich selbst damit gerecht wird. Das wiederum kann zu weiterem Stress, Frust oder auch Traurigkeit führen. Du fühlst Dich schlecht, weil Du davon ausgehst, dass das, was Du erzählt bekommen hast, die Wahrheit ist. Schliesslich ist das ja bei JEDEM Hund so.
 
 

Hilfreiche Tipps

 
Hilfreiche und unterstützende Tipps, sind die, die auf Euch als Team eingehen. Sie stellen nichts als die einzige Wahrheit dar und haben – gerade im Hundetraining – tatsächlich auch viel mit ausprobieren zu tun. Es wird geschaut, was für Bedürfnisse gibt es auf Seiten des Hundes und welche auf Deiner Seite? Bellt Dein Hund andere Hunde an, weil er zu ihnen hin möchte? Oder hätte er doch lieber Abstand und tut dies lautstark kund? Erst, wenn alle Aspekte bekannt sind, können dann auch wirklich hilfreiche Tipps gegeben werden.

Was kannst Du also nun für Deinen Alltag mitnehmen?

🤔 Hinterfrage Tipps, die Du mal eben schnell von anderen erhältst. 🤔
• Passen sie zu deiner Wertvorstellung und zu der Vorstellung, wie Du Dir das Zusammenleben mit Deinem Hund wünschst?
• Hat derjenige genügend Einblicke in euer Zusammenleben, um sich ein umfassendes Bild zu machen?
• Kennt er Dich und Deinen Hund wirklich?
• Hat er gesundheitliche Aspekte mit in Betracht gezogen?
Ich denke, Du verstehst, worauf ich hinaus will.
 
💭 Hinterfrage regelmässig auch Deine Gedanken. 💭
Stimmt es, wenn Dir Deine Stimme im Kopf ständig sagt: «Das schaffen wir NIE«, oder «Mein Hund gehört der Rasse XY an. ALLE Hunde dieser Rasse sind besonders dickköpfig, stur und eigenständig. Die kann man gar nicht erziehen.« Häufig verfällt man durch solche Gedanken in eine passive Opferrolle und nimmt sich in gewissem Masse selbst aus der Verantwortung. Auch das bringt wieder schlechte Gefühle mit sich.
Wäre es da nicht viel schöner, sich professionelle Hilfe zu holen und aktiv etwas gegen die Dinge zu unternehmen, die Dich oder Deinen Hund stören?
 
💪🏻 Stärke Dich mit Wissen und Werkzeugen 💪🏻
Besonders häufig suchen wir nach Tipps, wenn wir uns in einer Situation überfordert und hilflos fühlen. Wenn Du Dir von einem Hundetrainer Werkzeuge an die Hand geben lässt, wie Du in solchen Situationen reagieren kannst, mit denen Du und Dein Hund sich wohlfühlen, hast Du einen riesigen Schritt geschafft. Diese «Tipps« stärken Dich und das Gefühl der Hilflosikeit wird von Mal zu mal schwächer. Das widerum macht stark gegen Selbstzweifel – und gegen ungefragte Tipps.

Mein Glücks-Tipp für Dich

Mittlerweile gibt es viele gute Hundetrainer, die sich der Initiative für gewaltfreies Hundetraining angeschlossen haben. Auf der Seite «Initiative für gewaltfreies Hundetraining» findest Du sicherlich einen passenden Trainer in Deiner Nähe.
 

 
Zum Schluss – Höre auf Dein Bauchgefühl
Du kennst Dich und Deinen Hund am Besten. Wenn Dir etwas widerstrebt, dann spreche es bei Deinem Trainer an. Wechsel zur Not die Hundeschule, wenn Du schon seit längerem kein gutes Bauchgefühl hast. Denn – auch wenn es sich um Fachpersonen handelt, heisst es nicht, dass es für Dich und Deinen Hund das Richtige ist.Und ein(e) gute(r) Trainer*in wird mit Dir sicherlich eine, für euch passende, Lösung erarbeiten.

Und das aller, aller Wichtigste ist:
Die Freude am Zusammenleben mit dem Hund nicht zu verlieren.
Denn vor lauter Training und Fokus auf die Probleme vergessen wir manchmal die Zeit mit unserem Hund einfach zu geniessen!

Hund Erziehung Tipps

Du und Dein Hund – Ihr seid genau richtig!

Du und Dein Hund – Ihr seid genau richtig!

Kennst Du das auch? Das Gefühl nicht gut genug zu sein? Nicht genügend Zeit zu haben. Für Dich und für Deine Liebsten? Oder möglichst keine Fehler machen zu wollen – gerade bei Deinem Hund? 

 

Die letzte Zeit ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie viel Druck auf uns lastet. Im Beruflichen, im Privaten und auch im Zusammenleben mit unserem Hund. So kommt schnell Frust und Traurigkeit auf. Weil wir zu streng mit uns aber manchmal auch mit unserem Hund sind. Ich habe Dir die, meiner Meinung nach, drei wichtigsten Aspekte für ein entspannteres Zusammenleben aufgeschrieben.

 

Der gute alte Perfektionismus

 

In meinem Blogartikel «Tschüss Perfektionismus. Hallo Dankbarkeit!» habe ich mich schon genauer mit ihm beschäftigt. Perfektionismus war für mich lange Zeit rein positiv besetzt. Und ich wollte die Dinge auch wirklich immer perfekt machen. Die Konsequenz – man erreicht diesen perfekten Zustand eigentlich nie. Denn irgendetwas findet man immer, was besser, schöner oder schneller sein könnte. Diesen Druck habe ich mir in meinem Job als Gestalterin gemacht, in meinen Weiterbildungen, im Haushalt, aber – und das war das Schlimmste – auch im Zusammenleben mit Raya. Ich wollte die perfekte Hundehalterin sein. Die nirgends negativ auffällt, die sich fortbildet und dem Hund all das gibt, was er braucht. Dazu gehörte natürlich das richtige Futter, genügend Beschäftigung, viele und lange Spaziergänge, Tricks und so weiter. Im Gegenzug bedeutete das auch – extrem hohe Erwartungen an Raya. Denn schliesslich sollte sie nirgends auffallen. Sie musste jeden Spaziergang mitmachen und jeden Trick. Denn es war ja alles nur zu ihrem Besten – redete ich mir ein.

 

Ich möchte Dich hier sicherlich nicht dazu auffordern Dinge nur noch halbherzig zu machen. Und Perfektionismus hat ganz sicher auch seine positiven Seiten: Du bist aus deinem Inneren heraus hoch motiviert und willst Dinge genau machen oder wissen. Dadurch wirst Du gut in dem, was Dich interessiert und wächst Schritt für Schritt. Das sind tolle Eigenschaften, die Du auf jeden Fall beibehalten solltest. Auch im Zusammenleben mit dem Hund hilft Dir der Perfektionismus Übungen oder Tricks genauer umzusetzen. So wirst Du klarer und verständlicher für Deinen Hund. 

 

Dennoch gilt wie immer: Ein gesunde Balance ist wichtig. Deswegen kommen hier nun meine Glücks-Tipps für Dich:

🤍
Erlaube Dir, Fehler zu begehen ohne Dir danach Vorwürfe zu machen. Fehler sind menschlich und bieten Dir eine Chance etwas Neues über Dich oder Deinen Hund zu lernen. 

🤍
Habe realistische Erwartungen und vergiss Deine und die Bedürfnisse Deines Hundes dabei nicht (mehr dazu im nächsten Absatz) 

🤍
Lerne die Dinge nicht so ernst zu nehmen und nimm sie stattdessen mit Humor. Häufig gehen wir mit viel zu viel Ernst und Verbissenheit an Dinge heran. Dein Hund wird sich ganz sicher mehr über ein herzhaftes Lachen freuen als über Frust oder Wut. 

 

Wenn Erwartung auf Enttäuschung trifft

 

Für mich so ein unglaublich wertvoller Punkt: Deine Erwartungen – an Dich und an den Hund. Denn auch ich kann davon ein Lied singen. Die Erwartungen, die ich an Raya hatte. Und viele Erwartungen waren verrückter Weise sogar Dinge, die «gesellschaftlich» erwartet werden, denen ich aber – nach langer Selbstreflexion – eigentlich gar nicht so eine grosse Bedeutung bemessen würde. Zumindest nicht in der Situation, die wir damals waren. Mein Lieblingsbeispiel ist das liebe Leinelaufen. Nicht negativ aufzufallen, hiess für mich auch, auf unserem Spaziergang einen Hund an der Leine zu haben, der nicht zieht. Niemals. Nie. (Hallo Perfektionismus!)

Also übte ich mit Raya auf jedem Spaziergang, dass sie bloss nicht zog. Und das mitten in der Stadt. Ich entschuldige mich heute noch bei Raya für mein Verhalten. Raya war von Anfang in der Stadt völlig reizüberflutet und wollte einfach nur weg. Sie hatte Angst und zog. Und ich drehte Kreis um Kreis, um meine Erwartungen der lockeren Leine durchzusetzen. Ich fokussierte mich so sehr auf meine Vorstellung, dass ich ihre Bedürfnisse total übersah. Eigentlich übersah ich uns beide. Ich hörte nicht mehr auf mein Bauchgefühl, verlor meine Empathie – und das alles nur, weil etwas nach meiner Vorstellung zu funktionieren hatte. 

 

Was habe ich also daraus gelernt? Erwartungen sind eigene Vorstellungen, wie etwas zu sein oder zu laufen hat. Dabei kann es schnell zu Enttäuschungen kommen, weil Situationen, Erlebnisse, man selbst oder auch der eigene Hunde nicht den Erwartungen entsprechen. Folgende Glücks-Tipps haben mir geholfen:

🤍
Setze Deine Bedürfnisse und die deines Hundes immer an erste Stelle. Wenn es euch beiden gut geht, erreicht ihr eure Ziele um einiges einfacher. Mit viel weniger Frust und auf einer vertrauensvollen Basis.
Dafür musst Du Dich natürlich auch mit euren Bedürfnissen auseinandersetzen. Was tut Dir gut? Was ist Dir wichtig? Was sind Deine Werte? Wie kommst Du zur Ruhe? Und das gleiche natürlich auch für Deinen Hund. 

🤍
Hinterfrage Deine Erwartungen. Sind es wirklich Dinge, die Dir wichtig sind? Oder hast du es irgendwo aufgegriffen? Vergiss nie – Du und Dein Hund, ihr seid Individuen.

🤍
Bleibe offen, statt Dich an Deine Erwartungen zu klammern. So kannst Du tolle neue Verhaltensweisen bei deinem Hund entdecken. Und auch für Dich – vielleicht eröffnen sich ganz neue Wege, wenn Du offen bleibst, für das, was das Leben so bereit hält. 

Übrigens – Raya läuft heute wirklich super an der Leine. Als ich mich auf sie und ihre Ängste eingelassen habe, haben wir einen, für uns beide, angenehmen Weg gefunden zu üben. Wenn sich heute die Leine spannt, sehe ich das nicht als Makel, sondern als Zeichen, dass etwas in der Umgebung ist, dass sie aus dem Konzept bringt. Und dann kann ich sie unterstützen, weil ich sie und ihre Bedürfnisse kenne. Und dafür bin ich unglaublich dankbar. 

 

Mitgefühl für Deinen Hund – Selbstmitgefühl für Dich

 

In Zeiten, in denen es einen Schritt vor und zwei zurück geht, ist es wichtig, dass Du Deinem Hund und Dir gegenüber mit Mitgefühl begegnest.

Ich schreibe ganz bewusst Deinem Hund und Dir. Denn ja, das Verständnis, das Du Deinem Hund gegenüber aufbringst, solltest Du auch Dir erlauben.

Mitgefühl für Deinen Hund bedeutet ihm auf Augenhöhe zu begegnen und zu versuchen, die Perspektive zu wechseln. Was macht die Situation für ihn so schwierig? Wie kannst Du ihn unterstützen? Mitgefühl bedeutet, Deinen Hund dort liebe- und verständnisvoll abzuholen, wo er Deine Hilfe benötigt. Es heisst auch, nicht gegen, sondern mit Deinem Hund zu arbeiten und Empathie zu zeigen.

Und was ist mit Dir? Wenn Du Dich total überfordert fühlst? Die amerikanische Professorin Kristin Neff forscht seit Jahren zum Thema «Selbstmitgefühl» und hat drei wichtige Aspekte herausgearbeitet, die Dir helfen, Deinen Selbstkritiker zum Schweigen zu bringen:

1. Zeige Dir selbst gegenüber Verständnis, statt Dich ständig zu bewerten. Zeig Dich geduldig und einfühlsam, denn uns selbst gegenüber sind wir häufig sehr hart und unfair eingestellt. Stell Dir vor, ein guter Freund oder eine gute Freundin wäre in Deiner Situation. Was würdest Du ihr oder ihm raten? Wie würdest Du ihr oder ihm zu Seite stehen? Und dann sage Dir genau das. Sei so nett zu Dir, wie Du es auch zu Deinen Liebsten wärst. 

2. Kristin Neff nennt sie die «Gemeinsame Menschlichkeit». Im Kern geht es darum, dass das Nicht-Perfekte gerade das ist, was uns mit anderen Menschen verbindet. Alle Menschen machen Fehler. Damit sind wir nicht alleine und das solltest Du Dir in solchen Situationen ins Bewusstsein rufen. Dann fühlst Du Dich nicht ganz so alleine und verloren.

3. Die liebe Achtsamkeit. Nur wenn wir den Moment wahrnehmen und überhaupt erkennen, was das Problem ist, weshalb es uns gerade nicht sonderlich gut geht, wir uns unter Druck fühlen, wütend oder traurig sind, können wir uns mit Selbstmitgefühl begegnen. Denn gerade wenn wir über uns selber urteilen fällt uns das häufig gar nicht mehr auf. 

Probiere es doch einfach einmal aus.  

 

Übrigens:
In dem Ted Talk von Kristin Neff erfährst Du ausserdem, dass Selbstmitgefühl ein starkes Wohlbefinden mit sich bringt und Ängstlichkeit, Stress und ja – auch Perfektionismus – weniger werden lässt. (Der Talk ist mit deutschem Untertitel.)
Falls Du lieber liest, kann ich Dir ihr Buch «Selbstmitgefühl»* empfehlen.

 

Nehme Dir den Druck. Mache Dir bewusst

🙌🏻
Du und Dein Hund, ihr müsst nicht perfekt sein.
💪🏻
Du darfst Fehler machen und brauchst Dir keine Vorwürfe zu machen. Aus Fehlern lernt man unglaublich viel.
💬
Nehme Dir gut gemeinte (oder auch nicht so gut gemeinte) Kommentare von Mitmenschen, die euch nicht kennen, nicht so sehr zu Herzen. Du kennst Dich und Deinen Hund am Besten.
🐕
Setze Deine Erwartungen nicht so hoch, stattdessen lerne Dich und die Bedürfnisse Deines Hundes kennen.
🤍
Höre auf dein Bauchgefühl und nimm es wann immer möglich mit Humor.

Denn – Du und Dein Hund – ihr seid genau richtig so, wie ihr seid!

 

Geht es Dir auch manchmal so? Was hast Du für Erfahrungen gemacht, um gemeinsam stark durchs Leben zu gehen?

*Falls Du Interesse an dem Buch hast und Du es über diesen Link kaufst, unterstützt Du mich mit einer kleinen Provision. (Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen)

 

Tschüss, Perfektionismus! Hallo, Dankbarkeit!

Tschüss, Perfektionismus! Hallo, Dankbarkeit!

Früher dachte ich, Perfektionismus sei etwas Tolles. Ich wollte den perfekten Job. Das perfekte Haus. Den perfekten Freund. Und natürlich – den perfekten Hund. Wie schön das doch klingt.

 

Was wiederum nicht so schön war, war die kleine Perfektionistin in meinem Kopf. Sie meldete sich immer mal wieder, um mir mitzuteilen, das mein Leben so gar nicht perfekt lief. Oder hielt mir vor, welch dumme Fehler ich machte. Ja, sie trug so ganz und gar nicht zum perfekten Leben bei. 

Heute gebe ich mir Mühe, ihr nicht mehr zu viel Platz in meinem Leben einzuräumen. Dafür aber umso mehr der Dankbarkeit. Denn ja – auch heute liebe ich noch die perfekten Momente. Aber meine Definition hat sich verändert. Verändert in ein Gefühl der Dankbarkeit. Und einen grossen Teil dazu beigetragen hat ganz sicher meine Hündin Raya. 

Alles fing damit an, dass sie so überhaupt nicht dem entsprach, was ich mir ausgemalt hatte.

Ich hatte das wunderschöne Bild von dem unauffällig, fröhlichen und freundlichen Hund an meiner Seite.

Stattdessen streifte ich mit einer kleinen, wild bellenden Hündin durch die Wälder und Wiesen. Fremde Menschen waren doof, fremde Hunde noch unheimlicher und Kinder eine Katastrophe. Und auch ich kam schnell zu dem Punkt, an dem ich deswegen Hunde, fremde Menschen und Kinder mied. Die Spaziergänge wurden zu einem Spiessrutenlauf. 

Heute kann ich schmunzeln, wenn ich an unsere Zeit in der kleinen Wohnung in Düsseldorf zurück denke. Damals fand ich unsere Situation allerdings überhaupt nicht lustig. Bevor wir zum Spaziergang losgingen, horchte ich mit einem Ohr an der Haustüre, ob Geräusche aus dem Hausflur zu vernehmen waren. Erst als ich mir sicher sein konnte, dass die Luft rein war, flüchteten wir gemeinsam zum Auto, um ja keinem Nachbarn zu begegnen. Denn den hätte Raya versucht laut bellend in die Flucht zu schlagen. 

Als wir ein Jahr später in die Schweiz umzogen, hatten wir uns ein kleines Häuschen ausgesucht, um dem Flurproblem zu entkommen. Ein cleverer Schachzug – so dachte ich. Doch da hatte ich nicht mit dem «Grüezi»-Problem gerechnet. Denn – hier auf dem Land grüsst tatsächlich jeder jeden. Und Raya grüsste lauthals zurück. Ich als Deutsche in einem fremden Land. Mit einem lauten Hund. Es war mir unglaublich peinlich.

Und auch die kleine Perfektionisten in meinem Kopf war mit in die Schweiz gezogen. Bei jedem unangenehmen Vorfall machte sie mir aufs Neue Vorwürfe: Was sollen die anderen von uns denken? Wieso schaffst Du es nicht, Raya das Bellen abzugewöhnen? usw. Die Selbstvorwürfe kannten keine Grenzen. 

Als Ergebnis setzte ich mich und auch Raya noch viel mehr unter Druck.

Aus der Verzweiflung begann ich mit einer Ausbildung zur Trainerin für Menschen mit Hund. Und dann durfte ich einen alles entscheidenden Satz lernen:

Lege Deinen Fokus auf die erwünschten Verhaltensweisen Deines Hundes!

 

In diesem Augenblick wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, wie viele Momente ich verpasste, an denen Raya sich ganz wunderbar verhielt. Und wie viel Schönes ist verpasst hatte, weil es nicht perfekt war. 

Mittlerweile habe ich diese positive Denkweise auf mein komplettes Leben erweitert. Es gibt so viele Dinge, die ich zu schätzen weiss, obwohl sie ganz und gar nicht perfekt sind. Ich ärgere mich nicht mehr all zu sehr über stressige Tage, weil ich die kleinen Pausen dazwischen um so mehr auskosten kann. Tatsächlich gehe ich an solchen Tagen noch bewusster mit Raya durch den Wald und geniesse das Privileg der Ruhe. Ich bin glücklich, weil mir der überhaupt nicht perfekte Tag doch so einen wundervollen Moment bietet. 

Während ich früher versuchte einen perfekten Plan für jede Situation parat haben zu müssen, bin ich heute dankbar für all die unerwarteten Dinge, die nicht in meinen Plan passen. Denn sie erweitern meinen Blick und meinen Horizont. Sie stellen mir Herausforderungen, an denen ich wachsen kann. 

Ich arbeite immer noch an mir, mich nicht mehr vom Perfektionismus ausbremsen zu lassen. Denn das ständige Zweifeln, ob etwas schon gut genug ist, hemmt. Warum nicht den Weg dorthin geniessen. Denn jeder nicht perfekte Weg wird auch immer wieder mit Erfolgen gespickt sein. 

Warum nicht Fehler machen dürfen? Denn – aus Fehlern lernt man. Letztens habe ich ein schönes Bild gesehen. Wenn Du die Buchstaben des Wortes »Fehler« neu sortierst wird das Wort »Helfer« daraus. Wieso die Fehler nicht als Helfer sehen und für sie dankbar sein? Dankbar, für das was man von Ihnen gelernt hat. Und wer weiss, ob der Fehler überhaupt ein Fehler war – oder doch ein Schritt in die richtige Richtung. 

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