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Tschüss, Perfektionismus! Hallo, Dankbarkeit!

Tschüss, Perfektionismus! Hallo, Dankbarkeit!

Früher dachte ich, Perfektionismus sei etwas Tolles. Ich wollte den perfekten Job. Das perfekte Haus. Den perfekten Freund. Und natürlich – den perfekten Hund. Wie schön das doch klingt.

Was wiederum nicht so schön war, war die kleine Perfektionistin in meinem Kopf. Sie meldete sich immer mal wieder, um mir mitzuteilen, das mein Leben so gar nicht perfekt lief. Oder hielt mir vor, welch dumme Fehler ich machte. Ja, sie trug so ganz und gar nicht zum perfekten Leben bei. 

Heute gebe ich mir Mühe, ihr nicht mehr zu viel Platz in meinem Leben einzuräumen. Dafür aber umso mehr der Dankbarkeit. Denn ja – auch heute liebe ich noch die perfekten Momente. Aber meine Definition hat sich verändert. Verändert in ein Gefühl der Dankbarkeit. Und einen grossen Teil dazu beigetragen hat ganz sicher meine Hündin Raya. 

Alles fing damit an, dass sie so überhaupt nicht dem entsprach, was ich mir ausgemalt hatte.

Ich hatte das wunderschöne Bild von dem unauffällig, fröhlichen und freundlichen Hund an meiner Seite.

Stattdessen streifte ich mit einer kleinen, wild bellenden Hündin durch die Wälder und Wiesen. Fremde Menschen waren doof, fremde Hunde noch unheimlicher und Kinder eine Katastrophe. Und auch ich kam schnell zu dem Punkt, an dem ich deswegen Hunde, fremde Menschen und Kinder mied. Die Spaziergänge wurden zu einem Spiessrutenlauf. 

Heute kann ich schmunzeln, wenn ich an unsere Zeit in der kleinen Wohnung in Düsseldorf zurück denke. Damals fand ich unsere Situation allerdings überhaupt nicht lustig. Bevor wir zum Spaziergang losgingen, horchte ich mit einem Ohr an der Haustüre, ob Geräusche aus dem Hausflur zu vernehmen waren. Erst als ich mir sicher sein konnte, dass die Luft rein war, flüchteten wir gemeinsam zum Auto, um ja keinem Nachbarn zu begegnen. Denn den hätte Raya versucht laut bellend in die Flucht zu schlagen. 

Als wir ein Jahr später in die Schweiz umzogen, hatten wir uns ein kleines Häuschen ausgesucht, um dem Flurproblem zu entkommen. Ein cleverer Schachzug – so dachte ich. Doch da hatte ich nicht mit dem «Grüezi»-Problem gerechnet. Denn – hier auf dem Land grüsst tatsächlich jeder jeden. Und Raya grüsste lauthals zurück. Ich als Deutsche in einem fremden Land. Mit einem lauten Hund. Es war mir unglaublich peinlich.

Und auch die kleine Perfektionisten in meinem Kopf war mit in die Schweiz gezogen. Bei jedem unangenehmen Vorfall machte sie mir aufs Neue Vorwürfe: Was sollen die anderen von uns denken? Wieso schaffst Du es nicht, Raya das Bellen abzugewöhnen? usw. Die Selbstvorwürfe kannten keine Grenzen. 

Als Ergebnis setzte ich mich und auch Raya noch viel mehr unter Druck.

Aus der Verzweiflung begann ich mit einer Ausbildung zur Trainerin für Menschen mit Hund. Und dann durfte ich einen alles entscheidenden Satz lernen:

Lege Deinen Fokus auf die erwünschten Verhaltensweisen Deines Hundes!

In diesem Augenblick wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, wie viele Momente ich verpasste, an denen Raya sich ganz wunderbar verhielt. Und wie viel Schönes ist verpasst hatte, weil es nicht perfekt war. 

Mittlerweile habe ich diese positive Denkweise auf mein komplettes Leben erweitert. Es gibt so viele Dinge, die ich zu schätzen weiss, obwohl sie ganz und gar nicht perfekt sind. Ich ärgere mich nicht mehr all zu sehr über stressige Tage, weil ich die kleinen Pausen dazwischen um so mehr auskosten kann. Tatsächlich gehe ich an solchen Tagen noch bewusster mit Raya durch den Wald und geniesse das Privileg der Ruhe. Ich bin glücklich, weil mir der überhaupt nicht perfekte Tag doch so einen wundervollen Moment bietet. 

Während ich früher versuchte einen perfekten Plan für jede Situation parat haben zu müssen, bin ich heute dankbar für all die unerwarteten Dinge, die nicht in meinen Plan passen. Denn sie erweitern meinen Blick und meinen Horizont. Sie stellen mir Herausforderungen, an denen ich wachsen kann. 

Ich arbeite immer noch an mir, mich nicht mehr vom Perfektionismus ausbremsen zu lassen. Denn das ständige Zweifeln, ob etwas schon gut genug ist, hemmt. Warum nicht den Weg dorthin geniessen. Denn jeder nicht perfekte Weg wird auch immer wieder mit Erfolgen gespickt sein. 

Warum nicht Fehler machen dürfen? Denn – aus Fehlern lernt man. Letztens habe ich ein schönes Bild gesehen. Wenn Du die Buchstaben des Wortes »Fehler« neu sortierst wird das Wort »Helfer« daraus. Wieso die Fehler nicht als Helfer sehen und für sie dankbar sein? Dankbar, für das was man von Ihnen gelernt hat. Und wer weiss, ob der Fehler überhaupt ein Fehler war – oder doch ein Schritt in die richtige Richtung. 

Dein Hund – Dein Vorbild

Dein Hund – Dein Vorbild

Wie wir glücklich sein können?
Unser Hund macht es uns jeden Tag vor.

Geniesse den Moment

Ich bin sehr davon überzeugt, dass unsere Hunde im Hier und Jetzt leben. Sie machen sich keine Gedanken darüber, was in der Vergangenheit passiert ist oder in der Zukunft passieren wird. Sie leben das Leben in diesem Augenblick. Mach es Deinem Hund nach – geniesse Dein Leben. Den Augenblick. Das Jetzt.

Lasse Deinen Gefühlen freien Lauf

Wenn Raya etwas doof findet, knurrt sie. Wenn sie Angst hat, bellt sie. Wenn sie Hunger hat, jammert sie. Wenn sie sich freut, dann zeigt sie es der ganzen Welt – überschwänglich. Warum haben wir Menschen so Probleme damit, unsere Gefühle offen zu zeigen? Wenn es Dir schlecht geht, stehe dazu. Räume Dir Zeit und Platz für Deine Wut und Deine Traurigkeit ein. Genauso gestehe es Dir zu, glücklich zu sein – und es der Welt zu zeigen. 

Bleibe verspielt & neugierig

Ich muss der Tatsache ins Gesicht blicken – Raya wird langsam zu einer Omi. Ob man ihr das anmerkt. Manchmal. Aber die meiste Zeit nicht. Denn sie hat sich all das verspielte, neugierige Verhalten beibehalten, das sie schon als Junghund ausgemacht hat. Wir Erwachsenen tendieren dazu, diese Leichtigkeit und Neugierde zu verlieren. Gib Dir wieder Platz dazu. Sei albern, sei lustig und fühle Dich leicht.

Die Welt jeden Tag aufs Neue entdecken

Ich gehe mit Raya häufig am Morgen die gleiche Strecke. Doch statt gelangweilt vor sich hin zutrotten, läuft sie die Strecke mit einer Neugierde ab, als sei es jedes Mal das erste Mal. Auch wir haben in unserem Alltag gleiche Abläufe und Routinen. Vor lauter gleichbleibenden Strukturen, fallen uns die ganzen kleinen ersten Male gar nicht mehr auf. Schau doch auf deinem nächsten Spaziergang, was Dir Neues auffällt. Oder wenn Du Dir einen Kaffee am Morgen zubereitest und die Milch hineingibst. Welche neue Formen entstehen? Wenn Du auf Kleinigkeiten acht gibst, siehst Du, wie Dein Alltag jeden Tag voller kleiner ersten Male ist.

Sich Ruhe gönnen

Ich ertappe mich selbst häufig, wie ich mich selbst pushe, um Dinge noch erledigt zu bekommen. Hier noch schnell den Abwasch machen. Dort noch schnell eine Mail schreiben. Dabei bin ich eigentlich müde und bräuchte dringend eine Pause. Wenn es Raya zu viel wird geht sie. Sie seufzt, steht auf – verlässt den Raum – geht ins Bett – seufzt – schliesst die Augen und schläft. Einfach so! Und recht hat sie. 

Nimm Dir regelmässig Auszeiten in Deinem Alltag. Und sei es nur für 5 Minuten frische Luft schnappen – sich aus dem Geschehen raus nehmen – seufzen – die Augen schliessen – ankommen.

Lerne Geduld

Vor Jahren hätte ich behauptet, dass ich ein sehr geduldiger Mensch bin. Raya hat mir anderes gezeigt. Hat sie zu lange an einer Stelle geschnüffelt wurde ich innerlich unruhig. Hat sie mal wieder auf Durchzug geschaltet, weil ihr alles zu viel wurde – wurde ich unruhig. Hat ein Trick einüben nicht so schnell funktioniert, wie ich mir es vorstellte – wurde ich unruhig. 

Heute kann ich mich super zurücknehmen. Durchatmen. Geduldig sein. Etwas, das mir Raya beigebracht hat. Mein Tipp: Nutze solche Momente um wirklich tief durchzuatmen und zu reflektieren. Wieso wirst Du ungeduldig? Versuche Dich in Deinen Hund zu versetzen und übe Dich in Geduld. Das macht ausgeglichen.

Freue Dich über Kleinigkeiten

Wir kommen nach Hause und Raya rastet aus, als seien wir Monate weggewesen. Dann öffnet sich die Tür zum Schrank, in dem die Leckerchen liegen und Raya ganzer Körper wackelt von links nach rechts aus purer Freude über das was kommen mag. Wenn ich sie anspreche, wedelt ihre Schwanzspitze, weil sie sich riesig über diese Aufmerksamkeit freut.  Schaue in Deinem Alltag, wieviele Kleinigkeiten es gibt, über die Du Dich freuen kannst. Über die warme Sonne am Morgen, über den ersten Marienkäfer in Deinem Garten, über eine Umarmung eines lieben Menschen. Nehme die Dinge wahr und freue Dich!

Fällt Dir noch etwas ein, wobei Du Dir Deinen Hund als Vorbild nehmen kannst?